Hoher Besuch

11. September 1943

Der nächste Tag, Sonntag, der 11.9., überbot den gestrigen Tag noch an Stärke und Heftigkeit der Gefechte mit den angreifenden Verbänden. Es kamen wieder PE-2 und IL-2 Verbände angeflogen. Zeitweise wußte unser Chef gar nicht ob er auf Tiefflieger oder auf die hochfliegenden Kampfmaschinen schießen sollte, weil beide Typen zu gleicher Zeit angriffen. Aber immer wählte er den für uns gefährlichsten Verband zum Beschuß.

Meistens gab er vor dem Gefecht noch einige ruhige Anweisungen. Als aber ein Kampffliegerverband uns anflog daß man denken konnte: na, hoffentlich kriegen wir nichts ab, und der E-Meßraum rief dazu noch: „Ziel wirft Bomben!“, da war es mit der Ruhe wieder mal aus. Es wurde alles nervös und unsicher und da heulte es plötzlich und krachte es. Die Bomben hatten eingeschlagen. Eine gewaltige Wand von Qualm und Staub stand nur wenige 100m von uns entfernt in der Luft. Jetzt, nachdem die Bomben explodiert waren, war es für uns klar, daß nun keine Bomben mehr zu uns hereinfallen können. Sofort schlug die Stimmung am Gerät wieder um. Jeder bekam wieder Mut und wollte seine Einsatzbereitschaft durch möglichst genaues Arbeiten beweisen. Der abfliegende russische Verband konnte uns ja nichts mehr tun.

In einer Kampfpause bog plötzlich eine kleine PKw-Kolonne in unsere Stellung ein. Natürlich richteten wir die ankommenden hohen Herrn sofort mit unseren Richtgläsern an und wer stieg aus: Der Kdr. [Kommandeur] der Luftflotte 6, Generaloberst Ritter von Greim.

Robert Ritter v. Greim

(CC) Bundesarchiv: Ritter v. Greim

Mit ihm kam sein Gefolge. Oblt. Reineking machte zackig Meldung und dann kamen sie her zu uns in den Stand. Von Greim und Reineking besprachen die Luftangriffe vom gestrigen Tage und v. Greim fragte, warum denn die Abschußziffern bei solch zahlreichen Einflügen so gering seien? Hierauf antwortete Reinekingt, daß wir die einzige Batterie im Luftbeschuß in diesem Raume sind und weiter sagte er, daß es teils unmöglich ist, auf sämtliche Verbände zu schießen, weil immer mehrere zu gleicher Zeit angriffen. V. Greim stellte an uns die Frage, „wenn 100 feindliche Flugzeuge kommen, wieviel sollen dann abgeschossen werden? Uffz. Schweig antwortete darauf: 99! V. Greim sagte das wäre richtig. Eine Maschine soll heimfliegen können und berichten, was bei uns los ist. Diese hohen Herrn waren wahrscheinlich über die Abschußziffern der Flak gar nicht zufrieden. Immer wollten sie höher hinaus. Wenn die Möglichkeit bestanden hätte, daß wir hätten mehr abschießen können, hätten wir es bestimmt getan. Und das doch schon in unserem eignen Interesse. Aber es liegt nun einmal im Wesen der Flak, daß die Erfolge, dem Munitionseinsatz entsprechend, gering sind.

Während der ganzen Zeit der Unterhaltung mit dem Generaloberst, rannten Kameramänner um uns herum und filmten. Schließlich knöpfte v. Greim selbst langsam seinen Ledermantel auf, dabei ließ er das Eichenlaub zum Ritterkreuze blinken, und entnahm einer Rocktasche eine Schmalfilmkamera und filmte unsere Bedienung. Später haben manche angezweifelt, ob er überhaupt einen Film drin gehabt hat, oder ob er nur so getan hat. Jedenfalls ich habe bei dieser Gelegenheit auch eine ausgezeichnete Aufnahme gemacht.

Erwähnenswert wäre noch festzuhalten, daß v. Greim auch auf die Erdkämpfe unserer Geschütze zu sprechen kam. Dabei sprach er sich höchst anerkennend für die Männer aus und sagte, daß Reineking es „ganz groß“ gemacht hätte und das er dafür noch entsprechend gewürdigt würde. Nun konnten wir es uns schon denken: das Ritterkreuz winkte für unseren Chef. Der Generaloberst besuchte dann noch unsere Geschütze und dann fuhr dieser Verein wieder fort. Kaum waren sie unseren Blicken entschwunden, so ertönte auch schon wieder der Ruf: „Alarm!“

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