Unheimliche Nähe

31. Juli 2010

Auch unsere Flieger waren an diesem Tage sehr aktiv und griffen mit starken Bomberverbänden in die Erdkämpfe ein. In dieser Stellung wurden von uns ebenfalls 4 oder 5 Maschinen abgeschossen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch mal das Schießen der feindlichen Flak beobachten. Die schoß, im Gegenteil zu uns kein gezieltes Feuer auf die Flugzeuge, sondern es war mehr ein Sperrfeuer in der Luft. Überall standen die Sprengwolken in der Luft. Wir haben aber keinen Abschuß der russischen Flak feststellen können. Deutsche Jäger hatten an diesem Tage einige Abschüsse zu verzeichnen.

Abends waren wir froh, daß dieser harte und aufregende Tag nun glücklich und ohne Ausfälle zu Ende gegangen war. Wir wollten der Ruhe huldigen und da kamen die “leisen Willy’s” und einzelne Bomber, die ins Hinterland flogen. Reineking mußte natürlich schießen und so standen wir eben einige Stunden in der ziemlich kühlen Nacht und haben die Maschinen so gut es ging im Dunkeln aufgefaßt und geschoßen.

Der weitere Verlauf der Nacht kam uns schon ziemlich unheimlich vor. Derjenige, der schlief, hat davon nichts gemerkt, aber wer Posten stand, konnte das immer näherkommende Maschinengewehrfeuer und die immer häufiger werdenden eigentümlichen Knalle von Panzerkanonen [hören]. Am nächsten Morgen, der 14., platschte strömender Regen auf unsere Zelte. Wir dachten in dem Regen wird Iwan nicht kommen. Aber weit gefehlt, schon vernahmen wir das Dröhnen anfliegender Tiefflieger und der Flugmeldeposten arlamierte schnell die Batterie. Man hielt es nicht für möglich, in diesem dunstigen Wetter anzufliegen. Aber diese Tiefflieger schoßen etwas in die Gegend und verschwanden gleich wieder. Kurz darauf hörten wir einen Verband [Petljakow] PE-2 kommen, konnten ihn aber nicht sehen, da die Wolken zu tief herniederhingen. Nur für einen Auganblick erschienen die Maschinen zwischen Wolkenfetzen. Sie warfen Bomben auf Lechowo und verschwanden wieder in den schützenden Wolken. Wir schossen einige Schüsse hinterher und dann war Ruhe.

Dies war unser letztes Gefecht hier, denn unser Chef brüllte gerade herauf zu uns: “Stellungswechsel vorbereiten!” Der Regen hatte aufgehört und wir fingen an die Zelte abzureißen und alles Gerät zusammen zu legen. Da brachten Lt. Kruchen einen entgegengesetzten Befehl: “Stellung bleibt besetzt!” Das war nun wieder mies. Immer das verdächtige Schießen in nicht allzuweiter Entfernung, das hat etwas schlimmes uns ahnen lassen.

Uffz. Busse, der über die ganze Situation ziemlich gut Bescheid wußte, schien die Angelegenheit auch recht verdächtig vorzukommen. So kam er hin zu mir auf den Flugmeldeposten und sagte, ich solle ihm über alles Verdächtige Bescheid sagen. Und so habe ich mit meinem Glase gespannt in die Gegend geguckt. Da sah ich in Schützenlinie vorgehende Infanterie und konnte auf der anderen Seite im Dunst gerade noch erkennen, wie auf einer Straße eine unendliche Kolonne allermöglicher Fahrzeuge zurückfuhr. Da stand es wieder mal fest: es ging wieder mal zurück. Wir kamen uns wieder vor wie doof. Alles fuhr zurück, nur wir standen da wie ein paar Irre. Aber in kluger Voraussicht packten wir unsere Sachen zusammen. Da klingelte bei uns das Telefon. Unser Chef ging selbst an den Hörer. Kurze Stille, dann rief er zur Geschützstaffel: “Geschützstaffel fertigmachen zum Erdeinsatz!” Nun war wieder alles klar.

Nun lief alles flott von der Hand, denn, desto früher wir fertig waren, desto zeitiger konnten wir abfahren. Unser Lastwagen konnte gar nicht schnell genug da sein. Der Wagen der B II mußte auch mit von beladen werden. Unsere Geschütze fuhren schon aus der Stellung und bezogen Stellung zum Beschuß von Buda Staraja. Endlich hatten wir einen Wagen beladen und ich schwang mich drauf und fuhr mit. Unterwegs war schon alles wieder in bestem Rückzugsfieber. Zuerst fuhren wir in unsere Protzenstellung. Dort haben wir gewartet, bis unserer zweiter Meßtruppwagen nachkam. Wie uns da erzählt wurde, hat unsere Stellung, nachdem ich abgefahren war, noch einige Artillerie-Treffer erhalten.

Verbrauchsstarke Abwehrmusik

31. Juli 2010

Durch großen Munitionseinsatz bei den Fliegerangriffen hatte sich unser Munitionsbestand stark verringert. Wir hatten noch etwa 15 Schuß, da kam wieder ein Verband Kampfflieger angeflogen. Das Feuer wurde eröffnet. Die erste Gruppe pfiff dem Feinde entgegen, die 2. ebenfalls, bei der 3. schoßen nur noch zwei Geschütze und schließlich schoß nur noch eines. Dann war es aus!

Reineking geriet aus dem Häuschen. Er rief die Abteilung an, er rief die Funker an, bei jedem stellte er den dringenden Hilferuf nach Munition. Und währenddessen flog der feindliche Verband schön unbehelligt vorbei. Reineking schimpfte, aber das half auch nichts, denn wir mußten tatenlos zusehen, wie die [Petljakow] PE 2 daherflogen. Aber ein LKW von uns war schon unterwegs ins Munition-Lager.

Nach einiger Zeit kam der Wagen bis oben hin beladen mit Munition. Was verfügbar war mußte mit diese Geschosse zu den Geschützen schleppen. Da kam schon wieder eine Anzahl Tiefflieger hereingeflogen. In unseren Raum. Reineking schrieh aus Leibeskräften, der Muni-Wagen soll aus der Stellung fahren. Diesmal war Reineking beruhigt, daß er wieder schießen konnte. Mir kam es vor, als wären wir wie ein starkes Tier, das sich vorher nicht wehrend konnte, aber jetzt mit geballter Kraft und angesammeltem Vorrat auf den Gegner stürzt. Unsere 8,8 Kanonen schossen aber auch mit tadelloser Feuerdisziplin. Nur der uns zugeteilte leichte Zug schoß an diesem Tage sehr schlecht, worüber sich unsere 2 cm Leute sehr ärgerten, was sie auch laut und deutlich zum Ausdruck brachten.

Ich habe mir manchmal gewünscht, unsere Angehörigen in der Heimat sollten einmal bei uns sein, oder sollten einmal hören, wie es bei einem Angriff hergeht. Zuerst der gellende Alarmruf, dann das Einarbeiten und Einspielen am Gerät, ein Motor surrt leise, Bedienungsleute rufen Zahlen aus, einige Zwischenkorrekturen des Schießenden, dann das langsam und deutlich gesprochene Feuerkommando und kurz darauf die ersten Abschüsse. Man hört das an- und abschwellenden Dröhnen der Flugzeuge, die heftige Abwehrbewegungen machen. Man vernimmt das Pfeifen und das dumpfe Donnern explodierender Bomben. Plötzlich fängt auch noch die leichte Flak zu bellen an und vervollständigt noch mit ihren Abschüssen und Sprengpunkten die Abwehrmusik einer schweren Flakbatterie.

Dienst nach Plan

31. Juli 2010

In der Schreibstube war nichts mehr zu tun, so blieb ich in der Stellung und machte den Dienst mit. Jawohl, wir hatten unseren Dienstplan und waren von der Front nicht allzuweit entfernt. In diesem Gebiet, wo jeden Augenblick ein Treffer einhauen kann und die Einsatzbereitschaft der Männer immer gewährleistet sein muß, da wurde Infanterie-Dienst und Unterricht abgehalten, anstatt der Truppe etwas Ruhe zugönnen, konnten doch in der nächsten Stunde schon die schwersten und aufregendsten Kämpfe stattfinden.

Ich weiß noch genau, unser Oberfähnrich Mathé lag vor uns auf dem Bauch und zeigte und erklärte uns, wie man sich vorschriftsmäßig am MG benimmt. Mir kam diese ganze Angelegenheit etwas lächerlich vor. Man hätte den Oberfhr. fragen sollen, ob man sich im Kampfe erst besinnen kann, wie man es richtig macht, oder ob man es so macht wie die Lage es erfordert. Aber die ganze Dienstgeschichte war scheinbar die, unsere Herren Offizieren konnten es nicht sehen, wenn wir einmal etwas Ruhe hatten und so kamen sie eben auf die komischsten und blödsten Einfälle.

Doch plötzlich, eines Tages änderten die Russen den Dienstplan um. Es war in der Zeit vom 13. – 15. September. Wieder ein sonnenklarer Tag. An diesem Tag kamen wir buchstäblich nicht zur Ruhe. Die feindlichen Verbände kamen ohne Unterbrechung angeflogen. Kampf- und Schlachtflieger. Insgesamt wurden 475 Feindeinflüge gezählt. Jeder neue Angriff war aufregender als der vorhergehende, besonders als Schlachtflieger zum Angriff auf uns ansetzten. Diesmal zogen sich die hellen Fäden der Leuchtspurgeschosse ganz dicht über unsere Köpfe. Eine Maschine wurde aber unser Opfer und der Pilot nach Buda Staraja gebracht. Als dann später Schlachtflieger B. St. angriffen, wurde dieser Pilot von den eigenen Maschinen noch schwer verletzt.

Ein scharfer Kampffliegerangriff, dessen Bomben wohl unserer Batterie galten, aber nur knapp daneben gingen, brachte auch die B I wieder in die Löcher. Einen anderen Kampffliegerangriff bekämpften wir schon auf weite Entfernung und schon die ersten Sprengpunkte zerrissen einer [Petljakow] PE-2 den Schwanz und wie eine riesige Luftschraube, immer um sich selbst drehend, taumelte diese Maschine zum Boden und endete in einer Explosion.

In diesen Augenblicken war es mit Reinekings Ruhe vorbei. Da brach bei ihm sein Temperament durch. Er sprang da umher wie ein wilder. Erst jagte er zum Flugmeldeposten und verdrängte ihn vom Glas, dann rannte er in kühner Kurve herein in den Stand und riß Uffz. Bodenschatz das Kehlkopfmikrophon aufregt vom Halse und sprach zu den Geschützen als er das Mikrophon noch in der Hand hatte. Schon im nächsten Moment schmiß er den Höhrer wieder hin und schwang sich in schwungvollen Sprunge gleich über unseren Schützwall und eilte zu Lt. Kruchen und nahm ihm dessen Glas von den Augen und guckte selbst in die Luft. Und dabei tobte er, schrie und fieberte so mit und war von den Ereignissen in der Luft so begeistert und über unser Schießen so erfreut, daß er alles um sich herum vergaß. Seine Begeisterung sprang wie ein Funke auch auf uns über. Und als er endlich rief: “Drauf, drauf! schießen! Schneller schießen!” da war es für uns Ansporn und Lob zugleich. Zeigte es doch, daß wir gut gearbeitet hatten. Aber nach dem Angriff, wurde unser Chef wieder sachlich und gab ruhig Anweisungen für den nächsten Angriff. Und wir nahmen den Stahlhelm ab, wischten den Angstschweiß von der Stirn und rauchten erst einmal einige Beruhigungszigaretten.

Mittlerweile flogen russische Jäger ein und surrten umher. Da waren keine deutschen Jäger da. Kamen unsere Jäger, so waren die Russen nicht zu sehen. Trafen sie sich doch einmal, so spielten sie Katz und Maus, immer rein in die Wolke, raus aus die Wolke, rinn in die Wolke usw. An die Geschwindigkeit der deutschen Jäger kamen die Russen gar nicht heran, sie konnten aber engere Kurven fliegen. Wir standen während solcher Momente immer bereit, durch einige Schüsse evtl. die deutschen Jäger zu unterstützen.

Urlaubshoffnung

31. Juli 2010

Aber auch die Zeit, in der ich auf der Schreibstube arbeiten konnte, ging auch mal zu Ende. Als ich in den letzten Tagen noch einige Urlaubsscheine zu schreiben hatte, faßte ich mir ein Herz und fragt unseren Chef kurzentschlossen, ob, wenn ich auf Urlaub fahren kann, mein Freund G. Kleber mitfahren kann. Wir wollten uns besuchen usw. usw. Er sagte daraufhin zu Hampe unserem Spieß, wenn es möglich sei, soll Hampe es so einrichten. Als ich dann abends meinem Freunde Gerhard sagte, daß ich unseren Chefkurz angehauen habe, stieg die Hoffnung wieder auf einen gemeinsamen Urlaub.

Papierkrieg

31. Juli 2010

Zu schreiben waren noch die Abschußmeldungen der Flugzeugabschüsse. Hier zeigte sich wieder, was für bürokratische Schreibarbeiten für so eine Meldung zu verrichten waren. Auf einem vorgedruckten Formluar waren Fragen aufgeführt, wie: Brannte die Maschine in der Luft? Kam sie mit Rauchfahne herunter? Explodierte sie am Boden? Brannte sie am Boden oder war nur eine Rauchwolke zu sehen? usw. So sogar die Fabriknummer und das Baujahr des Flugzeuges wollte man wissen. Dazu mußten alle die Zeugenbescheinigungen mehrmals abgeschrieben werden. Es war wirklich ein Papierkrieg.

Eine umfangreiche Arbeit waren auch Vorschläge zum Eisernen Kreuz. Allein von der B I habe ich die Einreichungen von 5 Mann geschrieben. Da der Weg von der Protze zur Stellung ziemlich weit war, machte ich noch einmal mit dem Troß Stellungswechsel, etwas näher an die Feuerstellung heran. Es war auch wieder im Wald. Ich habe ja in meinem Leben schon viel Maschine geschrieben, aber mitten im grünen Wald zu schreiben, während am blauen Himmel feindliche Flugzeuge herumschwirrten, das war mir doch noch nicht passiert.

Erdkampfhandlungen

31. Juli 2010

Ich will nun jetzt kurz den Erdeinsatz skizzieren. Er ist mir nicht genau in Erinnerung geblieben, aber die Hauptsachen weiß ich noch. Es war ein Bericht über Erdkampfhandlungen der 3. I/36 vom 30.8. – 1.9.1943.

Die Lage an der Front war ungefähr die: Die Russen hatten hinter Jelnja eine Offensive losgelassen. Unsere Front hielt nicht mehr und alles flutete zurück. Einige Panzer konnten sogar bis Jelnja selbst durchstoßen und stifteten hier diese kopflose Verwirrung an. Unser Chef wußte nichts von dem Frontverlauf und fuhr nun mit seinen Geschützen und mit einem leichten Zug der 5. Batterie drauf los. Er hielt erst dann, als er auf einer Straße eine starke feindliche Kolonne marschieren sah. Ich schrieb hiervon in den Bericht: “Diese Kolonne war 1000 – 1500 Mann stark. Sie wurde sofort bekämpft mit hochgezogenen Sprengpunkten. Die Wirkung war fürchterlich. Der Feind zog sich daraufhin zurück. Und versucht kurz darauf einen neuen Angriff, der auch mit Sprenggranaten bekämpft wurde. Von den 800 angreifenden Russen blieben nochmals die Hälfte auf dem Schlachtfelde liegen!” [Oberwachtmeister] Owm. Jäger sagte kurz darauf in vertraulichem Tone, daß es niemals so viele Russen gewesen wären. Aber es mußte ja nach etwas klingen.

Ein russischer Panzerangriff mit aufgesessener Infanterie wehrte unser leichter Zug ab. Uffz. Adam schoß dabei mit seinem Geschütz einen feindlichen Panzer auf 20 m Entfernung ab. Die beifolgende Infanterie wurde mit MP und Karabiner aufgerieben. Eine andere Begebenheit war, als ein feindlicher Verpflegungswagen mit einigen Offizieren in unsere Geschützstellung hineinfuhr. Diese warme erbeutete Suppe war für unsere Leute recht willkommen. Reineking schien dann auch gemerkt zu haben, daß er mit seinem Kampftrupp so gut wie eingeschlossen ist. Und jetzt zeigte Reineking seine Kriegskunst. Da es unmöglich war, in Richtung Jelnja zurückzukommen, versuchte er es nach Südwestern in Richtung Roslawl. Der Feind griff die ganze Zeit über sehr stark an. Unser leichter Zug verteidigte wahrhaft heldenmütig das Dorf Suchoj-Potschinok über 24 Stunden lang gegen hartnäckige feindliche Angriffe. Im Feuer von schweren und leichten feindlichen Waffen wichen unsere Kanoniere nicht von ihrer Kanone. Der Besitz Suchoj-Potschinoks war für den Feind von großer Bedeutung. Aber unsere Jungens hielten stand. Erst als alle Munition verschossen war, wurden die Geschütze und Fahrzeuge gesprengt und in nächtlichen Kämpfen schlugen sie sich durch zur schweren Geschützstaffel.

Daß Suchoj-Potschinok solange gehalten wurde, war von entscheidender Bedeutung für dieses Kampfgebiet. Es war in der deutschen Front eine Lücke entstanden und der Feind versuchte hier hinein zu stoßen, um in den Rücken der deutschen 56. I.D. [Infanterie-Division] zu gelangen und die Division abzuschneiden. Hierin lag der große Verdienst: er hatte die Situation genau erkannt und rechtzeitig danach gehandelt. Dadurch wurde ein feindlicher Einbruch in die deutschen Linien verhindert. Leider hatten diese Kämpfe auch von uns Verluste gefordert. 3 Mann haben ihr Leben gegeben, und zwar der Fahnenjunker Uffz. Simon, Wamke und ein dritter, dessen Name mir entfallen ist. 3 schwer Verletzte wurden ins Lazarett eingeliefert. Unser leichter Zug hatte seine gesamte Ausrüstung und Waffen verloren. Owm. Jäger, der bestimmt schon viel geleistet hatte, war noch ganz verstört von diesen vergangenen Ereignissen. Ihm sah man die Strapazen noch tagelang an. Er konnte kaum fassen, daß seine Jungs diese Hölle überhaupt ausgehalten haben.

Dies war ein kurzer Überblick über den Kampftrupp unserer Batterie. Ich war wirklich froh, daß dieser Bericht bald geschrieben war. Jetzt konnte ich mir auch mal eine Pause gönnen.

Schreiberling

31. Juli 2010

Da die Luftangriffe in die Nähe der Stellung immer zahlreicher wurden und auch Artillerie Einschläge immer näher kamen, hatte sich Reineking doch entschlossen, am nächsten Morgen, Montag dem 12.9., in allerfrühe diese Stellung zu verlassen, und eine Neue, etwas weiter rückwärts zu beziehen. Die Nächte waren zu jener Zeit schon recht kühl. Den Übermantel und Handschuhe konnte man schon gebrauchen. Sogar das Wasser in den Waschschüsseln hatte früh schon eine Eisdecke. Die Vorbereitungen für den Stellungswechsel wurden abends schon getroffen. So beluden wir bei aufgehender Sonne unsere Fahrzeuge und fuhren in die neue Stellung. Sie lag hinter Buda Staraja, etwa war sie der Mittelpunkt des Dreiecks Buda Staraja – Lechowo – Phillimony.

Die Geschützstellung lag in einer Mulde, während die B I etwas erhöht lag und eine gute Fernsicht hatte. Die ersten Arbeiten wurden gemacht und unser Gerät in Stellung gebracht. Ich half gerade fleißig mit, als mich unser Chef laut rief um wieder zum Troß zu fahren. So fuhr ich denn mit dem Chefwagen los. In der Protze ging auch gleich das Schreiben los. [Oberwachtmeister] Owm. Jäger, der z.b.V. Uffz. Selig und ich difftelten nun den Gefechtsbericht aus. Es war für mich nicht leicht, ihren Gedankengängen zu folgen und ich hatte den ganzen Tag über voll und ganz zu tun, gerade daß die Zeit für das Mittagessen heraussprang. Gegen Abend fuhr ich dann mit dem Alten wieder mit in die Feuerstellung zurück. Meine Kameraden hatten am Tage den Stand gebaut und die Zelte aufgebaut und innen schön ausstaffiert, so daß ich mich sozusagen ins gemachte Nest setzen konnte. Von einem nahen Feld hatte unser Tünn einen Sack Kartoffeln organisiert, davon haben wir uns schöne Bratkartoffeln gebraten.

Am nächsten Morgen früh wollte ich wieder zum Troß fahren. aber es verschob sich etwas, weil der Abt. Kdr. Major Wendt kommen wollte. Er kam denn auch und wir mußten alle antreten. Dann hielt er eine kurze Rede, freute sich, daß seine Abteilung sich so glänzend bewährt hat und war voll des Lobes für die 3. Batterie. Er hat aber vergessen zu berichten, wie er sich bei diesen Kämpfen verhalten hat, daß er beizeiten nach rückwärts Land gewonnen hat. Anschließend zeichnete er einige Leute mit dem EK II und EK I aus und nahm Stellung zu der Tat von Oblt. Reineking. Dabei sagte er, daß es nicht in seiner Macht läge ihn auszuzeichnen, sondern seine Leistungen würden von höherer Stelle gewürdigt werden. Das war für uns wieder ein Zeichen, daß wohl bald das Ritterkreuz ankommen wird.

Nachdem sich Wendt wieder davongemacht hatte, nahm mich mein Chef wieder mit in die Protze. Dort wurde dieser Gefechtsbericht nach und nach so ausgeklügelt, daß er nach etwas klang. Es war immer das alte Lied. Aus 1 wurde 10 gemacht usw. Und es kam auch darauf an, aus all diesen Kämpfen drei getrennte Kampfhandlungen herauszuschälen, damit für die Beteiligten das Erdkampfzeichen eingereicht werden konnte.

Das war knapp

31. Juli 2010

Kurz nach dem Mittagessen kam ein Mann aus der Protzenstellung aufgeregt zu uns gelaufen und berichtete, der Gefreite Werner, Siegfried soll schnell zum Chef auf die Schreibstube kommen. Mir fuhr augenblicklich der Schreck in die Glieder. Hatte ich vielleicht etwas verbrochen? Na, mir blieb nichts übrig, als doch mal hinzugehen. Ich kämmte die Haare, setzte das Käppi auf und schnallte das Koppel um, meldete mich ab und ging los.

Beim Chef brauchte ich mich gar nicht erst zu melden, er sah mich kommen und rief mich hin. Er frug mich ob ich Schreibmaschine schreiben und Kurzschrift dazu [kann]. Ich bejahte dies und da mußte ich mich gleich an den Tisch vor die Schreibmaschine setzen. Den ersten Bogen hatte ich gerade eingespannt, als plötzlich unsere Batterie zu schießen anfing. Wir guckten augenblicklich hinauf in den Luftraum und weiß Gott, da kam ein ziemlich starker [Petljakow] PE-2 Verband.


Sowjetische Petljakow Pe-2

Sowjetische Petljakow Pe-2

Sofort stob alles auseinander und suchte Deckung. Auch ich rannte mit fort in der Absicht, möglichst weit seitwärts hinaus zu rennen. Zuguterletzt kauerte ich mich dich in eine Fensterhöhle eines Erdbunkers und suchte dort Deckung. Und da kamen schon die Bomben. Rasend schnell kamen die Einschläge näher. Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich einen verschwommenen Schatten herniedersausen und darauf einen, nein mehrere scharfe Explosionen. Die Fensterscheiben meiner Fensternische zersplitterten und vom Fußboden dieses Bunkers fragt mich jemand: “ist was passiert?” Ich antwortete: “Nee, Schwein gehabt.["] Knappe 25 m von mir entfernt schlug eine Bombenreihe ein. Emporgeschleuderter Dreck kam nach und nach wieder zum Erdboden zurück und beißender Pulverqualm erfüllte die Luft.

Ich verließ meine Deckung, da kam mir ein Infanterist in den Weg gelaufen und dieser rief immer: “Mein Arm, mein Arm!” Ich sah nur, wie sein Unterarm an Hautfetzen schlaff herunter hing. Da mußte ich wegsehen. Im selben Moment war mein Chef hier, woher er kam, weiß ich nicht, und nahm diesen schwerverletzten Soldaten mit in einen Bunker. Während ich zu unserer Schreibstube zurückging, schaute ich noch einmal hinauf zu dem abfliegenden Verband. Diesmal sah ich es auch ganz deutlich. Eine Maschine brannte und kam als lodernde Fackel herunter und eine zweite blieb mit langer Rauchfahne zurück. Da sämtliche Bombenwürfe in und außerhalb Buda Staraja lagen, dachte ich so bei mir: “Hoffentlich ist hier unten in der Protze alles gut gegangen!” In Sorge war ich auch um meinen Freund Gerhard, der mit oben in der Stellung am Gerät stand.

Ein Mann von uns brachte uns die Nachricht. “Nicolai ist gefallen!” Ich dachte sofort an unseren hilfswilligen Nicolai, diesen jungen, zuverlässigen Menschen. Ich ging auch dorthin, wo es passiert war. Der Tote lag noch da. Er war nicht schnell genug in Deckung gekommen und eine dicht hinter i[h]m einschlagende Bombe wurde ihm zum Verhängnis. Sein ganzer Rücken war zerfetzt. Es war aber nicht unser junger, bei allen gern gesehener Nicolai, sondern ein Kriegsgefangener gleichen Namens, der sich in Sechtschinskaja als Hilfswilliger verpflichtet hatte. Neben den schon mit Grundwasser gefüllten Bombentrichtern schaufelten ihm die anderen Hilfswilligen ein Grab.

Als der ganze Tumult vorüber war, kehrte alles so nach und nach an seinen Platz zurück. Das erste war, als Oblt. Reineking zur Schreibstube zurückkam, er rief die Feuerstellung an und frug Lt. Kruchen, der erst am Vormittage aus dem Urlaub zurückkehrte, ob etwas passiert sei. Lt. Kruchen sagte, es sei alles noch in bester Ordnung. Wie mir mein Freund Gerhard am Abend erzählte, war die B I in Sorge um mich, weil das Gerücht herumging, daß die Protzenstellung einige Volltreffer erhielt.

Nach diesem Bombenangriff befahl unser Chef sofortigen Stellungswechsel der Protzenstellung. Ich half mit die Schreibstubensachen aufzuladen und dann fuhren wir los in einen einige km entfernten Wald, wo schon die anderen Batterien ihren Troß untergebracht hatten. Ein geeigneter Platz war bald gefunden. Dort wurde der ganze Kram wieder ausgepackt. Ich wurde dazu gebraucht, um einen Kampfbericht über den letzten Erdeinsatz aufzunehmen. An diesem Tage wurde nicht viel fertig gebracht. Abends wurde ich mit einem Kfz. wieder in die Stellung zurückgebracht.

Naher Treffer

31. Juli 2010

Wieder kam ein Schwarm Tiefflieger heran. Diesmal hatten sie es aber auf uns abgesehen. Tief kamen sie angebrummt. Wir schossen ihnen schon entgegen. Da blitzte es bei ihnen an den Tragflächen auf und wir wußten: sie schießen auf uns! Wieder war bei uns allen die Mahnung vergessen, an die uns von Greim wieder erinnert hatte: bei Bombenwürfen und Bordwaffenbeschuß hat jeder am Gerät zu bleiben und nicht in Deckung zu gehen. Es soll auch in solchen gefährlichen Augenblicken weitergeschossen werden, und es verschwand alles bis auf wenige Ausnahmen, in das schützende Loch. Es war doch der Selbsterhaltungstrieb des Menschen stärker als Befehle von Leuten, denen es auf ein paar Soldaten nicht drauf an kam.

Kaum war das letzte Feindflugzeug vorüber, so ertönte auch schon der Ruf nach dem Sanitäter aus der Geschützstellung. Die betreffenden Leute waren sofort auf den Beinen und schon brachte man den Fahnenjunker-Uffz. Fixl herangetragen. Der Chef ließ schnell seinen Wagen kommen und ließ den Verwundeten fortschaffen. Was war passiert: Die Schlachtflieger hatten unsere Stellung beschossen und unter anderem auch den Munitionsstapel vom Geschütz “Berta” getroffen. Einige Kartuschen waren explodiert und ein Stück Kartuschhülse traf Uffz. Fixl am Oberschenkel. Sonst war in unserer Stellung nach diesem Angriff weiter nichts passiert.

Da wahrscheinlich die feindlichen Truppen in großer Übermacht waren und die Kampfhandlungen einen für uns ungünstigen Verlauf nahmen, trat an diesem Tage die deutsche Luftwaffe auch mit in die Kämpfe ein und zwar mit starken Kräften. Es erschienen starke Verbände [Junkers] Ju 88, [Heinkel] He 111 und Stukas in der Luft. Aufmerksam folgten wir durchs Glas ihrem Verhalten in der Luft. Wo sie angriffen standen überall gewaltige Qualm- und Rauchpilze in der Luft. Daß auch die alte He 111 eine sehr starke Bordwaffenbestückung hat, (wir zählten in Sechtschiwokaja an einer He 111 über 12 überschwere MGs, ) zeigte uns folgendes Ereignis: An einen von deutschen Jägern unbeschützten Verband He 111 wagten sich zwei feindliche Jäger heran. Einer versuchte von unten die Maschinen anzugreifen. Wir hörten einen kurzen Feuerstoß und schon kam “Iwan” senkrecht herunter. Nicht weit von uns saußte er in die Erde und explodierte mit greller Stichflamme. Der zweite Russenjäger zog es vor sich zu entfernen. So war für uns in der Luft egal etwas los. Dazu kam noch, daß der Feind jetzt auch noch in unsere Nähe mit einem ziemlich großen Kaliber schoß. Nicht weit hinter uns stehenden deutsche Artillerie schoß ihrerseits auch knapp über uns hinweg, so daß wir allemal bei dem scharfen Geschoßknall schrecklich zusammenfuhren.

Hoher Besuch

31. Juli 2010

Der nächste Tag, Sonntag, der 11.9., überbot den gestrigen Tag noch an Stärke und Heftigkeit der Gefechte mit den angreifenden Verbänden. Es kamen wieder PE-2 und IL-2 Verbände angeflogen. Zeitweise wußte unser Chef gar nicht ob er auf Tiefflieger oder auf die hochfliegenden Kampfmaschinen schießen sollte, weil beide Typen zu gleicher Zeit angriffen. Aber immer wählte er den für uns gefährlichsten Verband zum Beschuß.

Meistens gab er vor dem Gefecht noch einige ruhige Anweisungen. Als aber ein Kampffliegerverband uns anflog daß man denken konnte: na, hoffentlich kriegen wir nichts ab, und der E-Meßraum rief dazu noch: “Ziel wirft Bomben!”, da war es mit der Ruhe wieder mal aus. Es wurde alles nervös und unsicher und da heulte es plötzlich und krachte es. Die Bomben hatten eingeschlagen. Eine gewaltige Wand von Qualm und Staub stand nur wenige 100m von uns entfernt in der Luft. Jetzt, nachdem die Bomben explodiert waren, war es für uns klar, daß nun keine Bomben mehr zu uns hereinfallen können. Sofort schlug die Stimmung am Gerät wieder um. Jeder bekam wieder Mut und wollte seine Einsatzbereitschaft durch möglichst genaues Arbeiten beweisen. Der abfliegende russische Verband konnte uns ja nichts mehr tun.

In einer Kampfpause bog plötzlich eine kleine PKw-Kolonne in unsere Stellung ein. Natürlich richteten wir die ankommenden hohen Herrn sofort mit unseren Richtgläsern an und wer stieg aus: Der Kdr. [Kommandeur] der Luftflotte 6, Generaloberst Ritter von Greim.

Robert Ritter v. Greim

(CC) Bundesarchiv: Ritter v. Greim

Mit ihm kam sein Gefolge. Oblt. Reineking machte zackig Meldung und dann kamen sie her zu uns in den Stand. Von Greim und Reineking besprachen die Luftangriffe vom gestrigen Tage und v. Greim fragte, warum denn die Abschußziffern bei solch zahlreichen Einflügen so gering seien? Hierauf antwortete Reinekingt, daß wir die einzige Batterie im Luftbeschuß in diesem Raume sind und weiter sagte er, daß es teils unmöglich ist, auf sämtliche Verbände zu schießen, weil immer mehrere zu gleicher Zeit angriffen. V. Greim stellte an uns die Frage, “wenn 100 feindliche Flugzeuge kommen, wieviel sollen dann abgeschossen werden? Uffz. Schweig antwortete darauf: 99! V. Greim sagte das wäre richtig. Eine Maschine soll heimfliegen können und berichten, was bei uns los ist. Diese hohen Herrn waren wahrscheinlich über die Abschußziffern der Flak gar nicht zufrieden. Immer wollten sie höher hinaus. Wenn die Möglichkeit bestanden hätte, daß wir hätten mehr abschießen können, hätten wir es bestimmt getan. Und das doch schon in unserem eignen Interesse. Aber es liegt nun einmal im Wesen der Flak, daß die Erfolge, dem Munitionseinsatz entsprechend, gering sind.

Während der ganzen Zeit der Unterhaltung mit dem Generaloberst, rannten Kameramänner um uns herum und filmten. Schließlich knöpfte v. Greim selbst langsam seinen Ledermantel auf, dabei ließ er das Eichenlaub zum Ritterkreuze blinken, und entnahm einer Rocktasche eine Schmalfilmkamera und filmte unsere Bedienung. Später haben manche angezweifelt, ob er überhaupt einen Film drin gehabt hat, oder ob er nur so getan hat. Jedenfalls ich habe bei dieser Gelegenheit auch eine ausgezeichnete Aufnahme gemacht.

Erwähnenswert wäre noch festzuhalten, daß v. Greim auch auf die Erdkämpfe unserer Geschütze zu sprechen kam. Dabei sprach er sich höchst anerkennend für die Männer aus und sagte, daß Reineking es “ganz groß” gemacht hätte und das er dafür noch entsprechend gewürdigt würde. Nun konnten wir es uns schon denken: das Ritterkreuz winkte für unseren Chef. Der Generaloberst besuchte dann noch unsere Geschütze und dann fuhr dieser Verein wieder fort. Kaum waren sie unseren Blicken entschwunden, so ertönte auch schon wieder der Ruf: “Alarm!”

Erster Großkampftag

31. Juli 2010

Der erste Großkampftag war der 10.9. Er begann wie jeder andere Tag auch. Gleich am Morgen kam ein [Petljakow] PE-2 Verband. In schrägem Vorbeiflug flogen sie knapp vorbei. Mittags und abends kamen auch PE-2 Verbände. Immer hatten wir Glück, immer waren es schöne Vorbeiflüge, die schön ruhig beschossen werden konnten.

Bei einem Angriff hatte ich Flugmeldeposten, war also dabei nicht an der konzentrierten Arbeit am Gerät gebunden und konnte somit die Anflüge und das Schießen vortrefflich beobachten. Ganz deutlich sah ich die Kondensstreifen, die die Geschosse hinter sich herzogen bis auf den absteigenden Ast. Wenn wir dachten, die PE-2 sind wieder abgeflogen und wir haben Ruhe, da kündigten die Tiefflieger durch ihr scharfes Brummen ihr Kommen an. Die erste Meute, die uns anflog, war durch das plötzliche, wohlgezielte Feuer unserer 2 cm Kanonen ziemlich überrascht. (Da unser leichter Zug beim letzten Erdeinsatz alle Waffen und Geschütze verloren hatte, war uns ein leichter Zug von einer unseren leichten Battr. zugeteilt.) Der zweite [Iljuschin] IL-2 Verband, der angebrummt kam, nahm uns schon stärker aufs Korn. Aber das Glück stand uns immer zur Seite.

Die noch folgenden Tieffliegerangriffe an diesem Tage waren nun auf uns abgesehen. Nun kamen sie direkt auf uns zu. Verbotenerweise ließen wir einmal kurz die Augen von unserer Arbeit und sahen die grellen Blitze der Abschüsse ihrer Bordkanonen. Irgendjemand rief ein unbedachtes Wort und unruhig und nervös, verließ das Gerät und verschwand in Deckung. Das war das Signal für die übrige Bedienung. Es sprang alles in Deckung und ließ den Angriff über sich ergehen. Kurz vor uns lösten die Schlachtflieger ihre Raketensplitterbomben mit dem eingenartigen Geräusch aus. Wir erwarteten nun daß bei uns alles hochfliegt. Aber ganz im Gegenteil. Wir hatten die Wirkung dieser Bomben gewaltig überschätzt. Sie bohrten sich in die Erde, ein Puffen und etwas Erde flog hoch. Das war alles. Nicht einmal das Zelt unseres Chefs wurde durch den Luftdruck umgeblasen, obwohl dicht daneben so ein Ding explodierte.

Unsere 8,8 Kanonen schossen im Nahfeuer auf diese Maschinen und wir konnten auch beobachten, wie ein IL-2 ausscherte und notlandete, allerdings, wie sich später erst herausstellte, auf russischem Gebiet. Besondere Achtung muß ich vor den Kanonieren der 2 cm Geschütze zollen. In Badehosen saßen sie am Geschütz und schossen zum Feind, unbeachtet der Bordkanonen- und Splitterbombenabschüsse. Ohne Unterlaß schleppten andere die schweren Kisten mit Munition heran. Ein jeder von ihnen tat wirklich seine Pflicht. Etwa 100 m von unserem Stand entfernt lag an einem Zaune ein Stapel Nebelwerfer-Munition. Und ausgerechnet rings um diese Geschosse waren zahlreiche Einschläge. Wäre auch nur einer in diesen Stapel hinein, dann wäre wohl von uns nicht mehr viel übrig geblieben.

Es kamen zwar noch manche Tiefflieger an diesem Tage, aber deren Angriffsraum schienen die deutschen Infanterielinien und Artillerie Stellungen gewesen zu sein, denn sie umflogen uns immer in respektvollem Abstand. Als es langsam dunkelte und wir etwas zur Ruhe kamen, konnten wir erst einmal die Kämpfe des Tages überblicken. Ob wir erfolgreich waren? 4 oder 5 Maschinen kamen jedenfalls vom Himmel. In der Umgebung liegende Heerestruppenteile waren voller Anerkennung für uns. Unser Uffz. Beckurts machte sich gleich auf, um Bestätigungen für unsere Abschüsse zu holen. Dabei kam er bis in die vordersten Linien. Aber hat Leute gefunden die genau beobachtet hatten, daß wir die Maschinen abgeschossen hatten. So verlief der erste Großkampftag in Buda Staraja.

Knallende Artillerie

31. Juli 2010

Am nächsten Morgen, Sonntag, den 4. September 1943, wurde in aller Frühe wieder alles fertig gemacht. Wir fuhren auf und da begann es in einem Dorfe vor uns zu knallen, als wenn Granaten einschlugen. Alle Fahrzeuge stutzten. Später stellte es sich heraus, daß es Sprengungen der Eisenbahnschienen waren, die von unseren Pionieren vorgenommen wurden.

Ein vorbeifahrendes Fahrzeug unserer Abteilung warf einige Sack Post in den Straßengraben. Darüber haben wir uns sehr gefreut. Besonders für die Geschützbedienungen war es eine Wohltat, nach den vorangegangenen schweren Tagen Grüße von zu Hause zu bekommen. Wir fahren etwas später los. Durch zerfallene Ortschaften und über staubige Straßen ging [es]. Wo die Straße aufhörte, waren durch Felder und Wiesen Fahrwege ausgefahren worden. Vorbei an Protzenstellungen von Infanterie und Artillerie. Vorbei an Stellungen von schweren Artillerie, die uns durch ihren Abschußknall immer innerlich zusammenfahren ließen. Dann fuhren wir an leichter Feldartillerie vorbei, die durch ihr Schießen unsere Aufmerksamkeit auf sich zog.

Nun wurde es jedem von uns klar, daß wir im Kampfgebiet sind und wahrscheinlich eine Stellung beziehen, in der es rund geht. Im Laufe des Vormittags bezogen wir Stellung am Rande der Ortschaft Buda Staraja. Buda Staraja, der Name wird wohl jedem von uns Meßleuten wegen seiner zahlreichen und aufregenden Luftgefechte und für unsere Geschützbedienungen außerdem noch als der Ort schwerer Erdkämpfe in Erinnerung geblieben sein.

Unsere erste Arbeit in neuen Stellungen ist natürlich immer das Instellungbringen unseres Gerätes. Diesmal aber hielten wir das Lesen unserer empfangenen Post für wichtiger, als das angestrengte Arbeiten mit dem Gerät. Es mußte erst Bodenschatz dazwischenfahren und uns an unsere Pflicht erinnern. Wir erstellten einen Schutzwall aus abgestochenen Rasenplatten ums Gerät und bauten zuguterletzt unsere Zelte auf. Die ersten Tage gingen glatt vorüber. Nur einmal nachts ging es rund und wir hockten einige Male in unseren Löchern, denn in der Nähe fielen zahlreiche Bomben. Tagsüber herrschte herrliches Wetter und wir brachen uns bei unserer Arbeit keinen ab.

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