Erdkampfhandlungen

13. September 1943

Ich will nun jetzt kurz den Erdeinsatz skizzieren. Er ist mir nicht genau in Erinnerung geblieben, aber die Hauptsachen weiß ich noch. Es war ein Bericht über Erdkampfhandlungen der 3. I/36 vom 30.8. – 1.9.1943.

Die Lage an der Front war ungefähr die: Die Russen hatten hinter Jelnja eine Offensive losgelassen. Unsere Front hielt nicht mehr und alles flutete zurück. Einige Panzer konnten sogar bis Jelnja selbst durchstoßen und stifteten hier diese kopflose Verwirrung an. Unser Chef wußte nichts von dem Frontverlauf und fuhr nun mit seinen Geschützen und mit einem leichten Zug der 5. Batterie drauf los. Er hielt erst dann, als er auf einer Straße eine starke feindliche Kolonne marschieren sah. Ich schrieb hiervon in den Bericht: „Diese Kolonne war 1000 – 1500 Mann stark. Sie wurde sofort bekämpft mit hochgezogenen Sprengpunkten. Die Wirkung war fürchterlich. Der Feind zog sich daraufhin zurück. Und versucht kurz darauf einen neuen Angriff, der auch mit Sprenggranaten bekämpft wurde. Von den 800 angreifenden Russen blieben nochmals die Hälfte auf dem Schlachtfelde liegen!“ [Oberwachtmeister] Owm. Jäger sagte kurz darauf in vertraulichem Tone, daß es niemals so viele Russen gewesen wären. Aber es mußte ja nach etwas klingen.

Ein russischer Panzerangriff mit aufgesessener Infanterie wehrte unser leichter Zug ab. Uffz. Adam schoß dabei mit seinem Geschütz einen feindlichen Panzer auf 20 m Entfernung ab. Die beifolgende Infanterie wurde mit MP und Karabiner aufgerieben. Eine andere Begebenheit war, als ein feindlicher Verpflegungswagen mit einigen Offizieren in unsere Geschützstellung hineinfuhr. Diese warme erbeutete Suppe war für unsere Leute recht willkommen. Reineking schien dann auch gemerkt zu haben, daß er mit seinem Kampftrupp so gut wie eingeschlossen ist. Und jetzt zeigte Reineking seine Kriegskunst. Da es unmöglich war, in Richtung Jelnja zurückzukommen, versuchte er es nach Südwestern in Richtung Roslawl. Der Feind griff die ganze Zeit über sehr stark an. Unser leichter Zug verteidigte wahrhaft heldenmütig das Dorf Suchoj-Potschinok über 24 Stunden lang gegen hartnäckige feindliche Angriffe. Im Feuer von schweren und leichten feindlichen Waffen wichen unsere Kanoniere nicht von ihrer Kanone. Der Besitz Suchoj-Potschinoks war für den Feind von großer Bedeutung. Aber unsere Jungens hielten stand. Erst als alle Munition verschossen war, wurden die Geschütze und Fahrzeuge gesprengt und in nächtlichen Kämpfen schlugen sie sich durch zur schweren Geschützstaffel.

Daß Suchoj-Potschinok solange gehalten wurde, war von entscheidender Bedeutung für dieses Kampfgebiet. Es war in der deutschen Front eine Lücke entstanden und der Feind versuchte hier hinein zu stoßen, um in den Rücken der deutschen 56. I.D. [Infanterie-Division] zu gelangen und die Division abzuschneiden. Hierin lag der große Verdienst: er hatte die Situation genau erkannt und rechtzeitig danach gehandelt. Dadurch wurde ein feindlicher Einbruch in die deutschen Linien verhindert. Leider hatten diese Kämpfe auch von uns Verluste gefordert. 3 Mann haben ihr Leben gegeben, und zwar der Fahnenjunker Uffz. Simon, Wamke und ein dritter, dessen Name mir entfallen ist. 3 schwer Verletzte wurden ins Lazarett eingeliefert. Unser leichter Zug hatte seine gesamte Ausrüstung und Waffen verloren. Owm. Jäger, der bestimmt schon viel geleistet hatte, war noch ganz verstört von diesen vergangenen Ereignissen. Ihm sah man die Strapazen noch tagelang an. Er konnte kaum fassen, daß seine Jungs diese Hölle überhaupt ausgehalten haben.

Dies war ein kurzer Überblick über den Kampftrupp unserer Batterie. Ich war wirklich froh, daß dieser Bericht bald geschrieben war. Jetzt konnte ich mir auch mal eine Pause gönnen.

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